Aus für Erdgas-Zapfsäulen: EVH macht Schluss in Halle
Wer in Halle noch mit Erdgas tankt, muss sich bald umschauen! Die EVH schließt beide Erdgastankstellen der Stadt – schrittweise, aber endgültig.
Es ist das Ende einer Ära für Halles Erdgas-Fahrer: Die Energieversorgung Halle GmbH (EVH), ein Unternehmen der Stadtwerke Halle, zieht bei ihren beiden Erdgastankstellen den Stecker. Betroffen sind die Standorte Selkestraße und Freiimfelder Straße – beide werden in den kommenden Monaten dauerhaft außer Betrieb genommen.
Diese Termine sollten sich Erdgas-Fahrer merken
Den Anfang macht die Tankstelle in der Selkestraße. Sie geht zum 17. August 2026 vom Netz und wird im Anschluss komplett zurückgebaut. Wer in diesem Teil der Stadt regelmäßig getankt hat, muss sich also schon in gut sechs Wochen nach Alternativen umsehen.
Etwas mehr Zeit bleibt Nutzern der zweiten Anlage: Die Erdgastankstelle an der Freiimfelder Straße bleibt noch bis zum 15. Januar 2027 in Betrieb, bevor auch sie endgültig schließt. Die EVH hat sich bewusst für dieses gestaffelte Vorgehen entschieden, um Kundinnen und Kunden ausreichend Zeit für die Umstellung auf andere Antriebsformen oder Tankmöglichkeiten zu geben. Die betroffenen Nutzerinnen und Nutzer wurden nach eigenen Angaben des Unternehmens bereits informiert.
Warum die EVH die Tankstellen dichtmacht
Die Gründe für das Aus liegen laut EVH auf mehreren Ebenen. Zum einen ist da die sinkende Nachfrage: Immer weniger Fahrzeuge mit Erdgasantrieb sind in Halle und Umgebung überhaupt noch unterwegs. Das schlägt sich direkt in den Abgabemengen an den Zapfsäulen nieder – die Auslastung der Anlagen sinkt seit Jahren.
Hinzu kommt die Preisentwicklung: Erdgas ist für Verbraucherinnen und Verbraucher inzwischen deutlich teurer geworden. Gleichzeitig fehlt es am Markt an ausreichend Biomethan, jenem klimafreundlicheren Ersatz für fossiles Erdgas, der Erdgasantriebe eigentlich attraktiver machen sollte. Diese Kombination aus höheren Kosten und knappem Angebot lässt Erdgas als Kraftstoff für immer weniger Menschen wirtschaftlich sinnvoll erscheinen.
Ein dritter, eher technischer Grund kommt laut EVH hinzu: Der Betrieb von Erdgastankstellen ist aufwendig. Damit das Gas überhaupt getankt werden kann, muss es aufwendig komprimiert werden – ein Prozess, der viel Energie frisst und die Anlagen entsprechend kostspielig im Unterhalt macht. Angesichts des hohen technischen und betrieblichen Aufwands habe sich die EVH entschieden, hier keine weiteren Investitionen mehr zu tätigen.
Die Zukunft gehört dem Strom
Während die Erdgastankstellen verschwinden, wächst an anderer Stelle die Bedeutung der Elektromobilität. Nach Angaben der EVH setzt sich der Trend zum Strom sowohl am allgemeinen Markt als auch innerhalb der eigenen Fahrzeugflotte der Stadtwerke-Gruppe SWH zunehmend durch. Erdgas als Kraftstoff gilt beim Unternehmen inzwischen nicht mehr als zukunftsfähiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität – ein Kurswechsel, der sich nun auch ganz konkret an den beiden Halleschen Standorten zeigt.
Für viele Verkehrsbetriebe und Energieversorger im Land ist der Rückzug aus der Erdgasmobilität mittlerweile keine Ausnahme mehr, sondern Teil eines größeren, bundesweiten Trends: Wo einst massiv in Erdgas als vermeintlich saubere Brückentechnologie investiert wurde, verschieben sich die Prioritäten heute klar in Richtung Batterie- und Wasserstoffantriebe.
Was Erdgas-Fahrer jetzt wissen müssen
Wer sein Fahrzeug bislang an einer der beiden Halleschen Erdgastankstellen betankt hat, sollte sich frühzeitig um Alternativen kümmern – insbesondere Fahrerinnen und Fahrer, die auf den Standort Selkestraße angewiesen sind, da hier bereits im August Schluss ist.
Die EVH verweist für die Suche nach alternativen Tankmöglichkeiten auf das Portal www.gibgas.de. Dort lassen sich Erdgastankstellen sowohl innerhalb Halles als auch in der weiteren Umgebung finden – für alle, die vorerst weiter auf Erdgas als Antrieb setzen wollen oder müssen, bevor ein Umstieg auf einen anderen Antrieb ansteht.
Ein Rückblick: Wie wichtig war Erdgas als Kraftstoff überhaupt?
Erdgas als Fahrzeugantrieb galt lange als Übergangslösung auf dem Weg zu klimafreundlicherer Mobilität – günstiger als Benzin oder Diesel, mit vergleichsweise geringem CO2-Ausstoß und einer wachsenden Tankstellen-Infrastruktur auch in Sachsen-Anhalt. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt: Die erhoffte breite Marktdurchdringung ist ausgeblieben. Immer weniger Neufahrzeuge werden mit Erdgasantrieb ausgeliefert, während die Modellpalette der Autohersteller in diesem Segment zunehmend schrumpft.
Mit der Schließung der beiden Hallenser Standorte verschwindet damit ein Stück Tankstellen-Infrastruktur, das über Jahre hinweg zum festen Bestandteil der lokalen Energieversorgung gehörte – ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, wie sich die Mobilitätswende auch auf kommunaler Ebene konkret bemerkbar macht.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Tankstelle Selkestraße: Außerbetriebnahme zum 17. August 2026, anschließender Rückbau
- Tankstelle Freiimfelder Straße: Außerbetriebnahme zum 15. Januar 2027
- Gründe: sinkende Nachfrage, steigende Gaskosten, Biomethan-Knappheit, hoher technischer Aufwand
- Alternative Tankstellen: zu finden unter www.gibgas.de
- Betrieben durch: Energieversorgung Halle GmbH (EVH), Unternehmen der Stadtwerke Halle




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