WM-Blamage gegen Paraguay: Bleibt Nagelsmann Bundestrainer?

WM-Blamage gegen Paraguay: Bleibt Nagelsmann Bundestrainer?

Der Schock-Moment: Aus im Elfmeterschießen

Es ist die Horrormeldung, vor der sich alle deutschen Fußballfans gefürchtet haben: Die DFB-Auswahl ist bei der WM 2026 in den USA bereits im Sechzehntelfinale gescheitert! Im dramatischen Elfmeterschießen zog die deutsche Mannschaft gegen Paraguay den Kürzeren – ein Ergebnis, das in Foxborough für fassungslose Gesichter sorgte. Damit reiht sich das Turnier nahtlos in eine bittere Serie deutscher Großereignis-Pleiten ein: Bereits zum dritten Mal in Folge scheitert die Nationalmannschaft unter einem neuen Bundestrainer am Achtelfinale eines großen Turniers.

Für Bundestrainer Julian Nagelsmann ist es die bislang größte Niederlage seiner gesamten Trainerlaufbahn. Der 38-Jährige, der unbedingt mit Deutschland in Amerika Weltmeister werden wollte, zeigte sich nach dem Spiel sichtlich angeschlagen. „Die Enttäuschung ist extrem groß, weil ich finde, dass wir eine sehr homogene Mannschaft haben, die sich super versteht, die auch immer Gas gegeben hat im Training“, sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz. Besonders bitter aus seiner Sicht: Es habe sich überhaupt nicht abgezeichnet, dass die Mannschaft an diesem Tag scheitern würde – weder von der Einstellung im Training noch vom Fokus der Spieler.

Nagelsmann schließt Rücktritt kategorisch aus

Trotz der historischen Pleite denkt der Bundestrainer nicht ans Aufhören. „Ich bin keiner, der wegläuft“, stellte Nagelsmann unmissverständlich klar. Sein Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund läuft eigentlich bis nach der Europameisterschaft 2028 – und genau an diesem Plan will er offenbar festhalten. „Ich möchte es weiter machen. Ich stehe bereit, wenn man das möchte“, betonte er nach dem Aus.

Gleichzeitig räumte Nagelsmann ein, dass das deutsche Scheitern bei großen Turnieren längst kein Einzelfall mehr ist. „Es ist nicht das erste Mal, sondern es passiert seit Längerem, dass wir solche Turniere abliefern“, analysierte er selbstkritisch. Es gebe „sicherlich ein paar grundlegende Dinge“, die verändert werden müssten – auf Details wollte er öffentlich aber nicht eingehen. Ein bemerkenswerter Vergleich kam vom Bundestrainer selbst: Sowohl bei seinen Vorgängern Hansi Flick als auch bei Joachim Löw sei es ähnlich gewesen – man habe etwas ausprobiert, einen gewissen Spielerstamm beibehalten, und am Ende sei der „Outcome sehr ähnlich“ gewesen.

Rückendeckung von oben – mit Einschränkungen

Schon kurz nach dem Schlusspfiff bekam Nagelsmann öffentliche Unterstützung von ganz oben. DFB-Sportdirektor Rudi Völler bezeichnete den Bundestrainer als „die richtige Person am richtigen Ort“. Allerdings fügte Völler einen bemerkenswerten Nachsatz hinzu: „Ich bin nicht der DFB allein.“ Diese Formulierung lässt durchaus Raum für Interpretationen – schließlich ist die Entscheidung über die Zukunft des Bundestrainers keine reine Personalfrage eines Einzelnen, sondern eine Frage, die das gesamte DFB-Präsidium betrifft.

Auch Mannschaftskapitän Joshua Kimmich stellte sich demonstrativ hinter seinen Trainer. „Wir wissen, dass wir auf dem Platz stehen“, erklärte der 31-Jährige und betonte, dass die Unruhe um die Personalie Nagelsmann jetzt zwar normal sei, die Mannschaft ihrem Trainer aber nicht die Schuld zuschiebe: „Keiner von uns sitzt jetzt in der Kabine und gibt ihm die Schuld daran.“ Auf die direkte Frage, ob er einen Rücktritt Nagelsmanns für möglich halte, antwortete Kimmich knapp: „Ich hoffe natürlich nicht.“ Stattdessen nahm der Kapitän die gesamte Mannschaft in die Verantwortung: „Am Ende haben wir es leider heute verbockt.“

Nicht alle sind überzeugt

So einig sich Verband und Mannschaft nach außen geben – in der öffentlichen Debatte ist die Stimmung deutlich gespaltener. Selbst Nagelsmann musste eingestehen, dass sein Rückhalt nicht mehr uneingeschränkt ist: „Es würde nicht jeder unterschreiben, dass ich Bundestrainer bleibe“, räumte er selbstkritisch ein. Auch Experten und Sportjournalisten äußerten sich nach dem WM-Aus skeptisch zur Personalie. Vereinzelt wurde sogar offen bezweifelt, dass Nagelsmann das Amt tatsächlich bis zur EM 2028 weiterführen wird.

Kritisch beleuchtet wird vor allem die Kaderpolitik des Bundestrainers: Rollenprofile wie das von Einwechselspieler Deniz Undav seien fragwürdig besetzt gewesen, das „Prinzip Hoffnung“ um Jamal Musiala habe nicht funktioniert, und als es gegen Paraguay eng wurde, sollten ausgerechnet zuvor wenig berücksichtigte Spieler wie Leon Goretzka und Nick Woltemade die Rettung bringen. Dieser Plan ging nicht auf. Stimmen aus dem Beobachterlager fordern inzwischen einen echten Neuanfang Richtung EM 2028 und WM 2030 – mit frischen, unbelasteten Köpfen sowohl auf als auch neben dem Platz.

Auch DFB-Sportdirektor Völler selbst steht im Fokus

Interessant ist, dass nicht nur die Personalie Nagelsmann diskutiert wird, sondern auch die Rolle von Rudi Völler. Die Frage, ob Völler selbst über die Zeit des Neuaufbaus hinaus im Amt bleiben wird oder soll, schwingt in der öffentlichen Debatte mit. Schließlich war es Völler, der maßgeblich für die Verpflichtung Nagelsmanns verantwortlich zeichnete – ein erneutes frühes Scheitern bei einem Großturnier fällt damit indirekt auch auf seine eigene Entscheidung zurück.

Ein Muster, das sich fortsetzt

Bitter für den deutschen Fußball: Das frühe WM-Aus reiht sich in eine ganze Serie enttäuschender Turnierauftritte ein. Bereits unter Joachim Löw erlebte die deutsche Mannschaft 2018 in Russland das historische erste Vorrunden-Aus bei einer Weltmeisterschaft – trotz eines Kaders voller Weltmeister von 2014 und junger Confed-Cup-Sieger von 2017. Nagelsmann selbst zog in diesem Zusammenhang den Vergleich zu seinen Vorgängern: Auch bei Flick und Löw habe man Neues ausprobiert, ohne dass am Ende ein durchschlagender Erfolg dabei herausgekommen sei.

Wie geht es jetzt weiter?

Offiziell ist die Lage klar: Nagelsmann bleibt im Amt, sein Vertrag läuft, der DFB stellt sich hinter ihn. Doch die öffentliche Diskussion um seine Zukunft dürfte in den kommenden Tagen und Wochen weitergehen. Spätestens wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, wird sich zeigen, ob der DFB tatsächlich an seinem Bundestrainer festhält oder ob doch ein Umdenken einsetzt. Für die Fans bleibt erst einmal nur die bittere Erkenntnis: Schon wieder ist ein großes Turnier viel zu früh vorbei – und die Frage nach dem „Warum“ bleibt vorerst unbeantwortet.

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