Nürnberg-Schock: Weitere Syrer nach Missbrauch in Haft
Am Nürnberger Hauptbahnhof geraten offenbar gezielt junge Frauen ins Visier von Drogendealern, die sie mit Rauschgift gefügig machen und anschließend missbrauchen sollen. Die dazu eingerichtete Sonderkommission der Polizei ermittelt bereits seit Monaten in diesem Umfeld – und meldet nun zwei weitere vollstreckte Haftbefehle gegen Männer, denen schwere Straftaten zur Last gelegt werden.
Eingerichtet wurde die Ermittlungsgruppe mit dem Namen „EKO Kajal“ vom Polizeipräsidium Mittelfranken bereits im Mai. Anlass waren Hinweise, wonach vor allem minderjährige Mädchen aus schwierigen familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes sowie in angrenzenden Parkanlagen gezielt angesprochen werden. Nach Erkenntnissen der Ermittler gehen die Täter dabei planvoll vor: Zunächst werben sie um die jungen Frauen mit Zuneigung und kleinen Geschenken, etwa Kleidung oder Kosmetikartikel. Im weiteren Verlauf sollen sie den Mädchen dann harte Drogen wie Crystal Meth zukommen lassen. Die daraus entstehende Abhängigkeit werde anschließend gezielt ausgenutzt – teils für sexuelle Handlungen, teils um die jungen Frauen zur Prostitution zu bewegen.
Bereits Ende Mai hatte die Sonderkommission erste Festnahmen vollzogen. Damals geriet ein 22-jähriger Syrer ins Visier der Ermittler, dem vorgeworfen wird, eine Minderjährige in seiner Wohnung vergewaltigt und ihr zusätzlich ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel verabreicht zu haben. Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung stellte die Polizei entsprechende Medikamente sowie synthetische Drogen sicher. In derselben Wohnung nahmen die Beamten zudem einen 35-jährigen Syrer fest, der ein Gemisch aus Kokain und Amphetamin bei sich trug und gegen den bereits in anderer Sache ein Haftbefehl vorlag. Mitte Juni folgten zwei weitere Festnahmen: Zwei Syrer im Alter von 24 und 26 Jahren wurden in Untersuchungshaft genommen, einem von ihnen wird die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige vorgeworfen.
Nun kommen zwei weitere Fälle hinzu. Nach Angaben der Ermittler soll ein 21-jähriger Syrer am Freitagmorgen, den 3. Juli, in einer Wohnung im Nürnberger Stadtteil Südstadt zwei junge Frauen im Alter von 15 und 18 Jahren vergewaltigt haben. Ein zweiter Tatverdächtiger, ebenfalls ein Syrer, diesmal 40 Jahre alt, steht zusätzlich im Verdacht, den beiden Mädchen bereits am Vorabend Drogen verabreicht zu haben.
Im Zuge umfangreicher Ermittlungsarbeit gelang es den Beamten, beide Männer zu identifizieren. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erwirkte daraufhin Durchsuchungsbeschlüsse für mehrere Wohnungen. Bei den Durchsuchungen nahm die Polizei die beiden Verdächtigen fest und sicherte nach eigenen Angaben Beweismittel, die mit den Vorwürfen der Vergewaltigung und der Drogenabgabe in Zusammenhang stehen. Die 18-Jährige erlitt den Ermittlungen zufolge Verletzungen und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Beide betroffenen jungen Frauen werden inzwischen psychologisch betreut.
Am Sonntag wurden die beiden Männer einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehle, unter anderem wegen des Verdachts der Vergewaltigung sowie der Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige. Beide Tatverdächtige sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Damit befinden sich im Gesamtkomplex der EKO-Kajal-Ermittlungen inzwischen mehrere Verdächtige gleichzeitig in Haft.
Polizeipräsident Gernot Rochholz erklärte gegenüber der Presse, man habe die betreffenden Täter genau im Blick und gehe konsequent gegen sie vor. Ein Polizeisprecher bestätigte zudem, dass die Durchsuchungen mehrerer Wohnungen zur Sicherstellung von Beweismitteln geführt hätten, die unmittelbar mit den Tatvorwürfen in Verbindung stehen.
Die Ermittlungen der Sonderkommission dauern nach Angaben der Behörden weiterhin an. Insgesamt waren nach früheren Mitteilungen der Polizei bereits rund zehn Personen im Zusammenhang mit dem Komplex identifiziert worden, gegen mehrere von ihnen wird unter anderem wegen des Verdachts auf Handel mit Betäubungsmitteln, der Abgabe von Drogen an Minderjährige sowie wegen Sexualdelikten ermittelt. Unter den bislang bekannten Tatverdächtigen befinden sich neben syrischen auch pakistanische und nordafrikanische Staatsangehörige.
Das Umfeld des Nürnberger Hauptbahnhofs steht schon seit Jahren im besonderen Fokus der örtlichen Polizei. Durch gezielte Schwerpunkteinsätze, die Gründung von Ermittlungskommissionen sowie den Ausbau der Videoüberwachung versucht die Polizeibehörde, der Kriminalität rund um den Nelson-Mandela-Platz sowie angrenzende Parkanlagen entgegenzuwirken. Nach eigenen Angaben soll dieser Kurs auch in den kommenden Wochen fortgesetzt werden.