Lebenserwartung in Sachsen-Anhalt steigt weiter an
Die Menschen in Sachsen-Anhalt werden im Durchschnitt immer älter. Das geht aus der aktuellen Sterbetafel des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle (Saale) hervor, die den zusammengefassten Zeitraum der Jahre 2023 bis 2025 abbildet. Demnach liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt für neugeborene Mädchen inzwischen bei 82 Jahren und 6 Monaten, für neugeborene Jungen bei 76 Jahren und 4 Monaten.
Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit der vorherigen Sterbetafel für die Jahre 2021 bis 2023 zu beobachten war. Im Vergleich zu jener Berechnung erhöhte sich die Lebenserwartung für neugeborene Mädchen um 5 Monate, für neugeborene Jungen sogar um 10 Monate. Die Sterbetafel 2021/2023 hatte dabei einen pandemiebedingten Tiefpunkt bei der durchschnittlichen Lebenserwartung markiert. Grund dafür war die außergewöhnlich hohe Sterblichkeit in den Jahren 2021 und 2022, als in Sachsen-Anhalt jeweils 37.289 und 37.281 Menschen starben. In den Folgejahren 2023, 2024 und 2025 gingen die Sterbefallzahlen wieder deutlich zurück, auf 35.577, 34.205 und zuletzt 34.865 Verstorbene. Diese rückläufige Entwicklung bei den Sterbefällen schlägt sich nun auch in den aktuellen Berechnungen zur Lebenserwartung nieder.
Trotz des positiven Trends bleibt Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich weiterhin unter dem Durchschnitt. Bei den Mädchen weist das Land nach aktuellem Stand die drittniedrigste Lebenserwartung aller Bundesländer auf, lediglich in Bremen und im Saarland liegen die Werte noch niedriger. Auch bei den Jungen zählt Sachsen-Anhalt zu den Ländern mit vergleichsweise niedriger Lebenserwartung im deutschlandweiten Vergleich.
Die amtliche Statistik berechnet Sterbetafeln grundsätzlich für Dreijahreszeiträume. Der Hintergrund dieser Methodik: Zufällige Schwankungen einzelner Jahre, etwa durch besonders strenge Grippewellen oder andere kurzfristige Einflüsse auf die Sterblichkeit, sollen auf diese Weise ausgeglichen werden. Die aktuelle Sterbetafel 2023/2025 fasst deshalb die Sterblichkeitsverhältnisse der vergangenen drei Jahre zusammen und liefert damit eine robustere Grundlage als eine reine Jahresbetrachtung.
Neben den Werten für die Lebenserwartung bei Geburt weist die Statistik auch Angaben zur sogenannten fernneren Lebenserwartung aus, also der statistisch verbleibenden Lebenszeit ab einem bestimmten Alter. So hatten Männer im Alter von 66 Jahren, die im Jahr 2025 die Altersgrenze für die Regelaltersrente erreichten, nach der aktuellen Sterbetafel eine durchschnittliche fernere Lebenserwartung von 16 Jahren und 2 Monaten. Bei Frauen desselben Alters betrug dieser Wert 20 Jahre.
Besondere Beachtung findet in der aktuellen Mitteilung des Statistischen Landesamtes auch der Geburtsjahrgang 1965. Zum Jahresende 2025 lebten in Sachsen-Anhalt noch 35.997 Menschen dieses Jahrgangs, was rund 1,8 Prozent aller zu diesem Zeitpunkt in Sachsen-Anhalt lebenden Personen entsprach. Dieser Jahrgang rückt derzeit besonders in den Fokus der öffentlichen Debatte, da vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über eine mögliche Anhebung des Renteneintrittsalters gerade die Menschen des Jahrgangs 1965 zu den ersten gehören könnten, für die die Regelaltersgrenze ab dem Jahr 2032 schrittweise an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden soll. Nach den Vorschlägen der zuständigen Alterssicherungskommission wäre bis zum Jahr 2041 eine Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre und 6 Monate vorgesehen.
Die Zahlen aus Sachsen-Anhalt fügen sich damit in eine bundesweite Entwicklung ein. Auch auf Bundesebene ist die Lebenserwartung nach dem pandemiebedingten Einbruch der vergangenen Jahre wieder gestiegen, wenngleich das Statistische Bundesamt bei seinen aktuellen Berechnungen bereits den etwas jüngeren Zeitraum 2022 bis 2024 zugrunde legt. Nach diesen bundesweiten Zahlen weisen Männer in Sachsen-Anhalt mit 75,9 Jahren die niedrigste Lebenserwartung bei Geburt aller Bundesländer auf, während bei den Frauen das Saarland mit 82,0 Jahren den niedrigsten Wert verzeichnet.
Langfristig betrachtet hat sich die Lebenserwartung in Deutschland seit der ersten allgemeinen Sterbetafel für die Jahre 1871 bis 1881 mehr als verdoppelt. Damals lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt bundesweit noch bei 35,6 Jahren für Männer und 38,5 Jahren für Frauen. Als wesentliche Gründe für den langfristigen Anstieg gelten unter anderem die deutliche Verringerung der Säuglingssterblichkeit, medizinischer Fortschritt, verbesserte Hygiene- und Ernährungsbedingungen sowie bessere Wohn- und Arbeitsverhältnisse.
Für die Berechnung der aktuellen Sterbetafel wurden zudem die Ergebnisse des Zensus 2022 berücksichtigt, die zu leicht geringeren Werten bei der Lebenserwartung bei Geburt führen, als es eine Berechnung auf Basis der bisherigen Bevölkerungsfortschreibung aus dem Zensus 2011 ergeben hätte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt der entsprechende Unterschied bei rund 0,1 Jahren für beide Geschlechter.
Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle (Saale) verweist darauf, dass Sterbetafeln grundsätzlich eine Momentaufnahme der aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse darstellen und keine Prognose darüber enthalten, wie sich die Lebenserwartung künftig tatsächlich entwickeln wird. Ob sich der positive Trend der vergangenen Jahre in Sachsen-Anhalt fortsetzt, dürfte sich erst in den kommenden Sterbetafeln zeigen, die auch weiterhin turnusmäßig für jeweils dreijährige Zeiträume berechnet werden.