HFC-Knipser Polat zieht es ans Schwarze Meer

Ein türkischer Drittligist hat dem Halleschen FC einen Stammspieler abgeworben: Der Verein 1461 Trabzon FK aus der Stadt an der türkischen Schwarzmeerküste präsentierte am Montag Serhat Polat als seinen Neuzugang. Der 25-Jährige unterschrieb bei den Türken einen Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren.

Bei der Vertragsunterzeichnung in den Vereinsanlagen war Generalsekretär Mehmet Alemdağ zugegen. Er machte deutlich, dass der neue Klub den Angreifer schon seit geraumer Zeit im Blick gehabt habe. Vereinsspitze und Trainerteam hätten ihn eigens in Deutschland vor Ort gesichtet, bevor die Verpflichtung angebahnt wurde. Von einem Spieler mit echter Qualität war die Rede, der der Mannschaft weiterhelfen solle. Polat selbst zeigte sich nach der Unterschrift entschlossen, mit Toren und Vorlagen im neuen Trikot anzuknüpfen.

Für Fans des Halleschen FC dürfte die Meldung dennoch überraschend kommen, schließlich hatte sich in den vergangenen Tagen zunächst nur angedeutet, dass sich beim Flügelspieler etwas anbahnt. Aufgefallen war sein Fehlen im Training bereits seit rund einer Woche. Der Verein hatte ihn für Gespräche über seine berufliche Zukunft freigestellt. Auch als am vergangenen Montag eine Einheit auf dem Rasen stattfand und eigentlich der Media Day des Regionalligisten hätte über die Bühne gehen sollen, war von Polat nichts zu sehen. Zwar fielen an jenem Tag witterungsbedingt ohnehin sämtliche Fotoaufnahmen aus und der Termin wurde verschoben – für ein Mannschaftsfoto wäre der Offensivmann aber ohnehin nicht mehr eingeplant gewesen.

Sportchef Marian Unger äußerte sich zu den Hintergründen des Wechsels. Ihm zufolge hatte der Spieler selbst um die Erlaubnis gebeten, sich mit anderen Vereinen austauschen zu dürfen – aus persönlichen Motiven. Der Klub habe dem zugestimmt, man stehe seither in Kontakt mit Spieler und Berater. Aus Sicht des Sportchefs zeichnete sich schon vor der offiziellen Bestätigung eine Trennung ab.

Da der Vertrag des Angreifers in Halle eigentlich noch bis zum Sommer 2027 gelaufen wäre, muss der türkische Klub eine Ablösesumme entrichten. Zur genauen Höhe schweigen sich beide Vereine bislang aus, Berichten zufolge bewegt sie sich im niedrigen fünfstelligen Bereich. Unger gab sich mit Blick auf mögliche Neuverpflichtungen gelassen: Man wolle erst einmal beobachten, was der bestehende Kader leiste, ehe über Nachholbedarf entschieden werde. Das Transferfenster laufe schließlich noch geraume Zeit, sodass durchaus noch Spieler auf den Markt kommen könnten, die aktuell noch nicht an einen Wechsel in die Regionalliga dächten.

Der gebürtige Türke, der in Berlin aufgewachsen ist, war erst Anfang 2025 vom Ligakonkurrenten Hertha Zehlendorf an die Saale gewechselt. Dort hatte er zuvor mit starken Zahlen auf sich aufmerksam gemacht und wurde daraufhin vom HFC verpflichtet. Seine Leistungen in der Hinserie überzeugten die Vereinsführung offenbar so sehr, dass sein Arbeitspapier bereits im Mai desselben Jahres vorzeitig bis 2027 verlängert wurde – inklusive Option auf ein weiteres Jahr.

Den ganz großen Durchbruch schaffte Polat in Halle jedoch nicht. Das lag auch daran, dass ihn im Laufe der anderthalb Jahre wiederholt kleinere Blessuren zurückwarfen. Selbst unter Trainer Robert Schröder, der ihn schon von seiner Zeit bei der kleinen Hertha kannte und mit dem er dort erfolgreich harmoniert hatte, gelang ihm der endgültige Sprung nicht. In der aktuellen Vorbereitung hatte Polat öffentlich betont, noch einmal ganz von vorn beginnen zu wollen. Dazu kommt es nun nicht mehr – zumal ihm angesichts der Konkurrenz im Kader ohnehin kaum Einsatzzeit sicher gewesen wäre. Hinzu kommt, dass Trainer Schröder sein taktisches System umgebaut hat, wodurch Polats angestammte Rolle auf der linken Außenbahn in dieser Form nicht mehr vorgesehen ist.

Auch privat stand offenbar einiges an: Polat hat sich in der Sommerpause verlobt und will im August heiraten, mitten in der laufenden Saison. Die Feierlichkeiten sind in der Türkei geplant, was mehrere Fehltage beim HFC zur Folge gehabt hätte – ein Umstand, der intern nicht auf Begeisterung gestoßen sein soll.

Seine Bilanz für die Saalestädter fällt je nach Zählweise unterschiedlich aus: Über alle Pflichtspiele hinweg kommt er auf zehn Tore und fünf Vorlagen in 41 Einsätzen, reduziert auf die reine Regionalliga-Statistik stehen sieben Treffer aus 36 Partien zu Buche. Fest steht: Mehr ließ seine Verletzungsanfälligkeit während seiner Zeit an der Saale nicht zu.

Eine offizielle Stellungnahme des Halleschen FC zum Abgang stand zum Zeitpunkt der Trabzoner Bekanntgabe noch aus.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert