Verfassungsschutzbericht 2025: Extremismus in Deutschland wächst
Die zentralen Zahlen im Überblick
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, in Berlin den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vorgestellt. Die zentrale Botschaft: Die Bedrohung durch Extremisten wächst in praktisch allen Bereichen.
Insgesamt wurden für 2025 bundesweit 58.851 Straftaten mit extremistischem Hintergrund registriert – im Jahr zuvor waren es 57.701. Besonders auffällig: Die Zahl der darin enthaltenen Gewalttaten stieg um rund zehn Prozent auf 3.294 (2024: 2.976).
Rechtsextremismus weiterhin größte Einzelbedrohung
Laut Bericht ist das rechtsextremistische Personenpotenzial 2025 erneut deutlich gewachsen – um rund 17 Prozent auf 58.700 Personen (2024: 50.250). Davon gelten 15.600 Menschen als gewaltorientiert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz rechnet inzwischen auch 11.300 Mitglieder der AfD und ihrer Jugendorganisation Junge Alternative dem rechtsextremistischen Personenpotenzial zu, Doppelmitgliedschaften bereits abgezogen.
Innenminister Dobrindt bezeichnete den Rechtsextremismus erneut als größte Bedrohung für die Demokratie in Deutschland.
Linksextremismus: deutlicher Anstieg, Sorge wegen Sabotage
Auch beim Linksextremismus verzeichnen die Behörden einen kräftigen Zuwachs: Das Personenpotenzial stieg 2025 bundesweit auf 42.200 Personen (2024: 38.000), davon gelten 11.600 als gewaltorientiert. Dobrindt nannte die zunehmende linksextremistische Gewalt ein „ernstes Warnsignal für unseren Rechtsstaat“ und verwies dabei explizit auf die Brandanschläge auf die Berliner Stromversorgung im Januar 2026 sowie eine länger andauernde Anschlagsserie im Raum München. Solche Sabotageakte richten sich nach Einschätzung der Behörden zunehmend gegen kritische Infrastruktur.
Islamismus und auslandsbezogener Extremismus
Im Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus stieg das Personenpotenzial leicht von 28.280 (2024) auf 28.645 Personen. Gleichzeitig sank die Zahl der als gewaltorientiert eingestuften Personen in diesem Bereich geringfügig auf geschätzt 9.110 (2024: 9.540).
Der auslandsbezogene Extremismus – darunter etwa israelfeindliche und antisemitische Strömungen sowie die PKK – wuchs von 32.500 (2024) auf 33.850 Personen, mit einem gewaltorientierten Anteil von rund 22.000 Personen.
Spionage, Sabotage und Cyberangriffe
Neben innenpolitischem Extremismus beschäftigt sich der Bericht auch mit Bedrohungen von außen. Deutschland bleibt demnach eines der wichtigsten Ziele für ausländische Nachrichtendienste, allen voran aus Russland, China und dem Iran. Im Fokus stehen Politik, Militär, Wirtschaft und Wissenschaft – mit dem Ziel, politische Entscheidungsprozesse auszuforschen, Wissen abzugreifen und Sabotage vorzubereiten.
BfV-Präsident Sinan Selen fasste die Lage mit den Stichworten Sabotage, Spionage und Desinformation zusammen. Dobrindt formulierte es noch direkter: „Wir stehen im Fadenkreuz“ – Deutschland sehe sich Bedrohungen von außen durch Spionage und Sabotage sowie von innen durch Extremismus und Radikalisierung gegenüber gleichermaßen ausgesetzt.
Antisemitismus als verbindendes Element
Ein bemerkenswerter Befund des Berichts: Trotz ideologischer Gegensätze identifizieren die Behörden eine gemeinsame Schnittmenge zwischen verschiedenen extremistischen Strömungen – den Antisemitismus. Dobrindt erklärte, durch den Nahostkonflikt und den Terror der Hamas sei der Hass auf den Straßen und im Internet deutlich gewachsen. Diese Einschätzung deckt sich mit kürzlich vorgestellten Zahlen der RIAS-Meldestellen zu antisemitischen Vorfällen im Jahr 2025.
Radikalisierung wird jünger
Sowohl der Bund als auch einzelne Bundesländer beobachten eine zunehmende Radikalisierung junger Menschen. Als Ursache nennen die Behörden vor allem den Einfluss sozialer Medien, in denen extremistische Inhalte gezielt Resonanzräume finden. Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz spielt nach Einschätzung des Verfassungsschutzes eine wachsende Rolle – sowohl für Cyberangriffe als auch für die Produktion von Propaganda.
In Berlin etwa berichtete der dortige Verfassungsschutz von einer „neuen rechtsextremistischen Jugendkultur“, die zunehmend aggressiv und offensiv auftrete und im Stadtbild sichtbarer werde.
Politische Konsequenzen gefordert
Aus den steigenden Zahlen leitet Innenminister Dobrindt politischen Handlungsbedarf ab. Er fordert eine Reform und Weiterentwicklung der deutschen Nachrichtendienste, damit diese – so Dobrindt wörtlich – „zu echten Geheimdiensten werden“. Damit begründet er auch geplante Vorhaben der schwarz-roten Koalition zum Ausbau von Befugnissen bei digitalen Ermittlungen sowie zur personellen und technischen Stärkung der Sicherheitsbehörden.
Wie geht es weiter?
Der Verfassungsschutzbericht 2025 dürfte in den kommenden Wochen die politische Debatte in Berlin bestimmen – sowohl mit Blick auf mögliche neue Sicherheitsgesetze als auch auf die Frage, wie der Staat der zunehmenden Radikalisierung junger Menschen in sozialen Netzwerken begegnen kann. Der vollständige Bericht ist über die Website des Bundesministeriums des Innern öffentlich einsehbar.


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