Jagdschein in Halle: So wird man Jäger in der Saalestadt

Halle (Saale) – Ansitz im Morgengrauen, Wildbret aus der Region, Natur pur: Die Jagd zieht immer mehr Menschen an, auch in Halle (Saale). Doch der Weg zum Jagdschein ist kein Spaziergang. Nicht umsonst heißt die Jägerprüfung im Volksmund „grünes Abitur“. Wie die Prüfung in Sachsen-Anhalt abläuft, was der Jagdschein kostet und wo Hallenser ihn beantragen – hier gibt es alle Infos.
Jagdschein allein reicht nicht
Wie beim Angeln gilt auch bei der Jagd: Ein Papier reicht nicht. Wer jagen will, braucht den Jagdschein und zusätzlich die Befugnis, in einem bestimmten Revier zu jagen. Das kann ein eigenes Pachtrevier sein, eine Anstellung als Jäger oder eine Jagderlaubnis als Jagdgast. Den Jagdschein muss man bei der Jagd immer dabeihaben und auf Verlangen vorzeigen. Wer ein Revier selbst pachten will, muss übrigens vorher schon drei Jahre lang einen Jahresjagdschein besessen haben.
Diese Jagdscheine gibt es
Der Jahresjagdschein wird für höchstens drei Jagdjahre ausgestellt. Ein Jagdjahr läuft immer vom 1. April bis zum 31. März. Daneben gibt es den Tagesjagdschein, der für 14 aufeinanderfolgende Tage gilt. Beide gelten in ganz Deutschland.
Für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren gibt es den Jugendjagdschein. Damit darf nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten oder einer schriftlich beauftragten, jagdlich erfahrenen Aufsichtsperson gejagt werden. Gesellschaftsjagden wie Drückjagden sind für Jugendjäger tabu. Unter 16 Jahren gibt es gar keinen Jagdschein.
Die Ausbildung: Monate auf der Schulbank
Ohne gründliche Vorbereitung schafft kaum jemand die Prüfung. In Halle und Umgebung bilden unter anderem die Jägerschaft Halle, die Jägerschaft Saalkreis und die Jagdschule der Jagdschützen Target aus. Die Lehrgänge starten meist im Herbst und laufen über viele Monate, oft an den Wochenenden. Bei Target etwa dauert die Ausbildung rund sieben Monate in kleinen Gruppen von höchstens zwölf Teilnehmern. Die Jägerschaft Saalkreis richtet ihren Lehrgang auf den ersten Prüfungstermin der Unteren Jagdbehörde in Halle im Folgejahr aus.
Auf dem Stundenplan stehen Wildkunde, Jagdrecht, Waffenkunde, Naturschutz, Jagdhundewesen, Wildbrethygiene und natürlich viel Training auf dem Schießstand. Je nach Anbieter kostet ein Lehrgang meist zwischen 1.500 und 3.000 Euro. Die Plätze sind begehrt – viele Kurse sind früh ausgebucht.
Wer darf zur Prüfung?
Zur Jägerprüfung in Sachsen-Anhalt wird zugelassen, wer spätestens sechs Monate vor der Prüfung 15 Jahre alt geworden ist. Der Anmeldung bei der Jagdbehörde müssen der Nachweis über die bezahlte Prüfungsgebühr und eine Haftpflichtversicherung für den Waffengebrauch beiliegen. Die Prüfungsgebühr beträgt 250 Euro. Wer nicht zugelassen wird oder spätestens zwei Wochen vor der Prüfung zurücktritt, bekommt das Geld zurück.
Die Prüfung: Schießen, Schreiben, Reden
Die Jägerprüfung besteht aus drei Teilen, und los geht es auf dem Schießstand. Beim Büchsenschießen werden fünf Schuss auf die Rehbockscheibe aus 100 Metern abgegeben, stehend angestrichen. Mindestens 25 Ringe sind Pflicht. Beim Flintenschießen geht es auf zehn bewegliche Ziele: entweder Tontauben vom Trapstand, von denen mindestens drei getroffen werden müssen, oder Kipphasen auf 35 Meter mit mindestens fünf Treffern. Dazu kommt das Kurzwaffenschießen mit Pistole oder Revolver: fünf Schuss auf 25 Meter, mindestens zwei Treffer auf der Scheibe.
Wer eine Disziplin vermasselt, hat genau einen zweiten Versuch. Klappt es dann wieder nicht – oder geht jemand gefährlich mit der Waffe um –, ist die Prüfung sofort vorbei.
Danach folgt die schriftliche Prüfung mit 140 Fragen – je 20 aus sieben Fächern: Jagdbare Tiere, Hege und Jagdbetrieb, Ökologie und Naturschutz, Jagdhundewesen, Behandlung erlegten Wildes, Jagdwaffen und Jagdrecht. Für eine richtige Antwort gibt es zwei Punkte, für eine teilweise richtige einen. Pro Fach sind also 40 Punkte möglich, für ein „ausreichend“ braucht man mindestens 20.
Zum Schluss kommt die mündlich-praktische Prüfung in denselben sieben Fächern. Pro Fach soll sie höchstens 15 Minuten dauern. Hier geht es um Praxis: Wild ansprechen, Waffen sicher handhaben, Hunde, Hege, Recht.
Jagdwaffen sind das Killerfach
Bestanden hat nur, wer im Fach Jagdwaffen mindestens „ausreichend“ schafft und in keinem anderen Fach ein „ungenügend“ kassiert. Außerdem muss die Gesamtnote mindestens „ausreichend“ sein. Wer durchfällt, muss die komplette Prüfung wiederholen – inklusive Schießen.
Jagdschein beantragen in Halle
Prüfung bestanden? Dann geht es zur Unteren Jagd- und Fischereibehörde der Stadt Halle im Team Allgemeine Ordnungsangelegenheiten, Neustädter Passage 18, 06122 Halle (Saale). Zuständig ist immer die Behörde am eigenen Wohnsitz. Der Antrag kann persönlich, per Formular oder formlos gestellt werden, im Einzelfall auch durch eine andere Person mit Vollmacht. Bezahlt wird bei Abgabe des Antrags per EC-Karte – Bargeld nimmt die Stadt nicht.
Mitbringen sollte man in der Regel das Prüfungszeugnis, den Personalausweis, ein Passbild und den Nachweis über die Jagdhaftpflichtversicherung. Die Versicherung ist Pflicht und muss mindestens 500.000 Euro für Personenschäden und 50.000 Euro für Sachschäden abdecken.
Außerdem prüft die Behörde die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung. Wer etwa wegen bestimmter Straftaten verurteilt wurde, bekommt in der Regel keinen Jagdschein. Ändert sich später die Fläche, auf der man jagen darf, muss das im Jagdschein eingetragen werden – auch das läuft über die Stadt.
Das kostet der Jagdschein
Für den Jahresjagdschein werden in Sachsen-Anhalt üblicherweise rund 65 Euro fällig, für zwei Jahre rund 100 Euro und für drei Jahre rund 135 Euro. Der Tagesjagdschein kostet etwa 10 Euro. Die genaue Gebühr legt die Stadt Halle im Einzelfall fest.
Unterm Strich wird es aber deutlich teurer: Lehrgang, Prüfungsgebühr, Munition fürs Training, Versicherung und Jagdschein summieren sich schnell auf 2.000 Euro und mehr – noch ohne eigene Ausrüstung. Und Achtung: Für eigene Waffen braucht man zusätzlich eine Waffenbesitzkarte, in die jede Waffe eingetragen wird.
Lieber erst mal ans Wasser statt in den Wald? Wie man in Halle an den Angelschein kommt, steht hier in unserem Ratgeber zum Fischereischein.
Häufige Fragen zum Jagdschein in Halle
Wo beantrage ich den Jagdschein in Halle (Saale)?
Bei der Unteren Jagd- und Fischereibehörde der Stadt Halle in der Neustädter Passage 18. Voraussetzung ist die bestandene Jägerprüfung.
Wie viele Fragen hat die Jägerprüfung in Sachsen-Anhalt?
Im schriftlichen Teil 140 Fragen, je 20 aus sieben Fächern. Dazu kommen das jagdliche Schießen und die mündlich-praktische Prüfung.
Ab wann darf man die Jägerprüfung machen?
Wer spätestens sechs Monate vor der Prüfung 15 Jahre alt geworden ist, wird zugelassen. Den Jugendjagdschein gibt es ab 16, den regulären Jagdschein ab 18 Jahren.
Was kostet die Jägerprüfung?
Die Prüfungsgebühr beträgt 250 Euro. Der Vorbereitungslehrgang kostet je nach Anbieter meist zwischen 1.500 und 3.000 Euro extra.
Wie lange ist ein Jagdschein gültig?
Der Jahresjagdschein gilt für höchstens drei Jagdjahre, jeweils vom 1. April bis 31. März. Danach muss er verlängert werden.