Kommunale Schulden in Sachsen-Anhalt steigen weiter

Die Kommunen in Sachsen-Anhalt haben ihre Schulden im vergangenen Jahr erneut spürbar erhöht. Wie das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt mitteilte, belief sich der Schuldenstand der kommunalen Kernhaushalte zum Jahresende 2025 auf rund 3,711 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 264,3 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, was einer Steigerung von 7,7 Prozent gleichkommt. Je Einwohnerin und Einwohner des Landes errechnet sich daraus eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1.746,08 Euro, ein Plus von 134,73 Euro binnen eines Jahres.

Nach Angaben der Statistiker stiegen dabei sowohl die klassischen Investitionskredite als auch die sogenannten Kassenkredite deutlich an. Die Kredite für investive Zwecke erhöhten sich um 173,5 Millionen Euro beziehungsweise 8,8 Prozent. Noch stärker ins Gewicht fällt aus finanzpolitischer Sicht der Anstieg der Kassenkredite, die vor allem der kurzfristigen Liquiditätssicherung dienen und nicht der Finanzierung von Investitionen: Sie wuchsen um 90,8 Millionen Euro beziehungsweise 6,2 Prozent.

Anstieg setzt sich seit Jahren fort

Der aktuelle Zuwachs reiht sich in eine Entwicklung ein, die sich bereits über mehrere Jahre beobachten lässt. Bereits zum Ende des ersten Halbjahres 2025 hatte das Statistische Landesamt einen Schuldenstand der kommunalen Kernhaushalte von 3,574 Milliarden Euro vermeldet, ein Anstieg von 416 Millionen Euro beziehungsweise 13,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt. Besonders stark verschuldeten sich zu diesem Zeitpunkt die Landkreise, deren Schuldenstand um 22,5 Prozent auf 822 Millionen Euro anwuchs. Auffällig war dabei, dass die Investitionskredite nur moderat um 2,5 Prozent zulegten, während die Schulden zur Liquiditätssicherung um 42,3 Prozent regelrecht in die Höhe schnellten. Nahezu die Hälfte dieses Zuwachses entfiel allein auf den Landkreis Mansfeld-Südharz, der seine kurzfristigen Kredite um 71 Millionen Euro erhöhte.

Auch die kreisfreien Städte des Landes verzeichneten im ersten Halbjahr 2025 einen spürbaren Anstieg ihrer Verschuldung. Der Zuwachs resultierte hier vor allem aus höheren Investitionsschulden, während die kreisangehörigen Gemeinden und Verbandsgemeinden einen moderateren Anstieg aufwiesen.

Halle bleibt am stärksten verschuldete Stadt

Innerhalb dieser landesweiten Entwicklung nimmt Halle (Saale) traditionell eine Sonderstellung ein. Die Landeshauptstadt der kommunalen Verschuldung war bereits in der Vergangenheit wiederholt Schlusslicht im landesweiten Vergleich der kreisfreien Städte und Landkreise. Bei einer früheren Untersuchung des Landesrechnungshofs hielt Halle allein rund ein Viertel aller kommunalen Kassenkredite des gesamten Bundeslandes und wurde damit ausdrücklich als Schulden-Spitzenreiter bezeichnet.

Auch die jüngeren städtischen Haushaltsdaten bestätigen diesen Trend. Ende 2024 lag der Schuldenstand der Stadt Halle bei rund 310 Millionen Euro. Für das Jahresende 2025 rechnete die Stadtverwaltung bereits mit einem Anstieg auf etwa 411 Millionen Euro. Die mittelfristige Finanzplanung der Stadt geht davon aus, dass der Schuldenstand bis zum Jahr 2029 auf rund 588 Millionen Euro anwachsen könnte. Um die Zahlungsfähigkeit der Stadt trotz dieser Entwicklung sicherzustellen, wurde der zulässige Höchstbetrag der Liquiditätskredite von zuvor 480 Millionen Euro auf 600 Millionen Euro angehoben.

Ursachen liegen in Sozialausgaben und sinkenden Einnahmen

Als zentrale Ursachen für die wachsende Verschuldung der Stadt Halle gelten steigende Sozialausgaben bei gleichzeitig sinkenden Steuereinnahmen. Für das laufende Haushaltsjahr rechnete die Stadtverwaltung mit erheblichen Mehraufwendungen unter anderem im Bereich der Kindertagesstätten sowie bei den Hilfen zur Erziehung. Gleichzeitig belasteten Steuermindererträge in zweistelliger Millionenhöhe sowie geringere Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich den städtischen Haushalt zusätzlich. Letztere gehen unter anderem auf die im Zensus 2022 festgestellte gesunkene Einwohnerzahl zurück, die sich unmittelbar auf die Höhe der Landeszuweisungen auswirkt.

Auf der Einnahmeseite bereitet insbesondere die Entwicklung der Gewerbesteuer Sorgen, die deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt. Zwar profitiert die Stadt von einem moderaten Anstieg bei der Grundsteuer B, dieser reicht jedoch nicht aus, um die entstehenden Lücken im Haushalt zu schließen. Auch die Einnahmen aus der Einkommensteuer stagnieren nach aktuellem Planungsstand auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

Landesweiter Trend zu höheren Kassenkrediten

Der überproportionale Anstieg der Kassenkredite im Vergleich zu den klassischen Investitionskrediten gilt unter kommunalpolitischen Beobachtern als besonders kritisches Signal. Während Investitionskredite in der Regel langfristig zur Finanzierung konkreter Bauvorhaben oder Anschaffungen aufgenommen werden, dienen Kassenkredite ausschließlich der kurzfristigen Überbrückung von Zahlungsengpässen. Ein dauerhaft hohes Niveau an Kassenkrediten gilt in der kommunalen Finanzwirtschaft als Indiz dafür, dass laufende Einnahmen die laufenden Ausgaben strukturell nicht mehr decken.

Das Statistische Landesamt verweist im Zusammenhang mit den aktuellen Zahlen auf den detaillierten Bericht zu den Gemeindefinanzen, der Einzahlungen, Auszahlungen und Schuldenstände der Kommunen des Landes umfassend dokumentiert. Die Behörde mit Sitz in Halle (Saale) veröffentlicht die Schuldenstatistik regelmäßig auf vierteljährlicher sowie jährlicher Basis.

Ausblick bleibt angespannt

Für die kommenden Jahre zeichnet sich nach derzeitigem Planungsstand keine Entspannung der kommunalen Finanzlage in Sachsen-Anhalt ab. Insbesondere in Halle (Saale) gehen die mittelfristigen Haushaltsplanungen von einem weiteren deutlichen Anstieg der Verschuldung aus. Gleichzeitig bleiben notwendige Investitionen etwa in Kindertagesstätten, Schulen sowie den Brand- und Katastrophenschutz bestehen, die zusätzliche Kreditaufnahmen erforderlich machen. Ob und in welchem Umfang sich die finanzielle Situation der Kommunen in den kommenden Haushaltsjahren stabilisieren lässt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Steuereinnahmen sowie den Zuweisungen von Land und Bund ab.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert