Wahl-Krimi im Saalekreis: Czekalla dreht das Ding doch noch
Was für ein Wahl-Krimi! Im Saalekreis ist am Sonntag die Entscheidung gefallen, mit der vor zwei Wochen kaum jemand gerechnet hätte: Sven Czekalla (CDU) hat die Stichwahl um den Landratsposten gewonnen – nach vorläufigem amtlichem Ergebnis mit 36.970 Stimmen und damit 54,34 Prozent. Sein Konkurrent Uwe Arendt von der AfD, der im ersten Wahlgang noch klar vorne gelegen hatte, kam in der Stichwahl auf 31.061 Stimmen beziehungsweise 45,66 Prozent und muss sich geschlagen geben.
Noch vor zwei Wochen sah die Sache völlig anders aus. Im ersten Wahlgang am 7. Juni hatte Arendt mit 32.453 Stimmen die Nase vorn, das entsprach 43,26 Prozent. Czekalla kam mit 27.480 Stimmen lediglich auf 36,63 Prozent. Da keiner der vier Kandidaten die nötige absolute Mehrheit erreichte, ging es in die Stichwahl. Die beiden weiteren Bewerberinnen und Bewerber – Kerstin Eisenreich von der Linken mit 13,17 Prozent und Einzelbewerber Lars Zaruba mit 6,94 Prozent – schieden aus, ihre Stimmen waren am Ende aber wohl entscheidend.
Genau das hatten politische Beobachter schon nach dem ersten Wahlgang vermutet: Die Wähler von Eisenreich und Zaruba dürften sich in der Stichwahl mehrheitlich für Czekalla entschieden haben, statt für Arendt zu stimmen. Diese Rechnung ist offenbar aufgegangen – aus einem Rückstand von fast sieben Prozentpunkten wurde am Ende ein klarer Sieg für den CDU-Mann.
Brisant ist der Wahlkampf auch wegen einer anderen Geschichte, die Arendt begleitet hat: Gegen den 59-jährigen Polizeibeamten läuft bei der Polizeiinspektion Halle ein Disziplinarverfahren. Der Vorwurf, über den unter anderem die Mitteldeutsche Zeitung berichtet hatte: Arendt soll während einer monatelangen Krankschreibung – von Ende Juli 2025 bis Mitte April 2026 – Wahlkampftermine wahrgenommen, an Kreistagssitzungen teilgenommen und sogar als „DJ Eddy“ aufgelegt haben. Bewiesen ist das bislang nicht, das Verfahren läuft noch. Trotz der Vorwürfe hatte Arendt im ersten Wahlgang noch deutlich vorne gelegen – am Ende hat es für den Sprung ins Landratsamt aber nicht gereicht.
Hätte Arendt gewonnen, wäre er der erste AfD-Politiker gewesen, der in Sachsen-Anhalt zum Landrat gewählt wird. Diese Premiere bleibt nun aus. Stattdessen tritt Sven Czekalla die Nachfolge des bisherigen, parteilosen Landrats Hartmut Handschak an, der nicht erneut kandidiert hatte.
Für den Saalekreis bedeutet das Ergebnis vor allem: ein neues Gesicht an der Spitze der Kreisverwaltung – und ein Wahlabend, der zeigt, wie knapp und unberechenbar Kommunalwahlen inzwischen auch jenseits der großen Städte geworden sind.


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